Der frühe Vogel fängt den Turm

Der wohl spektulärste und meistbesuchteste Turm von Mallorca ist der Leuchtturm von Formentor.
Tatsächlich ist sein Standort am Kap der Winde atemberaubend schön. Sobald die Saison beginnt bewegen sich dorthin unendliche Blech-Karawanen. Die durchschnittliche Verweildauer dort beträgt nur 15 Minuten. Die wie modelliert wirkende Naturlandschaft zu bewundern ist meist nur im Vorbeifahren möglich. Plätze zum Halten gibt es kaum oder diese sind eben besetzt.

Also lohnt es sich diesen Ort außerhalb jeglicher Saison zu besuchen.

Als leidenschaftlicher Hobbyfotograf musste ich für mallorquinische Verhältnisse sehr früh aufstehen, um das beste Licht zu erwischen. In der Dunkelheit der knapp halbstündigen Fahrt über das Kap grüßten nur ein ein paar Hasen, die typischen mallorquinischen Bergziegen und ein Fuchs am Straßenrand. Sonst war keine Menschenseele unterwegs. An diesem klaren Januartag um sieben Uhr morgens kam ich am Fuße meines ausgesuchten Fotospots an. Der einzige Parkplatz am Rande des Abgrunds war frei. Niemand außer den Ziegen und ich waren hier.

Der Weg zu meinem ausgesuchten Spot war in der Dunkelheit an einem steilen Hang mit losem Geröll alles andere als einfach und wird ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen.
Als die Morgendämmerung einsetzte, entschädigte der Blick auf den Leuchturm und die sich davor wie eine Schlange windende Straße für alle Strapazen.

Um kurz nach acht ging die Sonne auf und jede Minute zeigten sich andere Stimmungen und wechselten die Farbkombinationen. Wieder dachte ich welch eine Segen auf dieser paradiesischen Insel zu leben. Man muss nur offen für die besonderen Orte und Momente sein; sich diese zeigen lassen und genießen können.

Ob das die Erbauer des Turmes das allerdings so konnten ist fraglich. 1857 begann man mit dem Bau und 200 Arbeiter brauchten zweieinhalb Jahre um nur den Weg zum Transport des Materials zu bauen. An sieben Tagen der Woche wurde gearbeitet. Die Arbeiter des erzkatholischen Mallorcas konnten am Sonntag die Messe nicht besuchen, so daß auf Anweisung des Mallorquinischen Bischofs ein Altar an den Unterkünften gebaut wurde. Jeden Morgen vor Arbeitsbeginn fand dort eine Messe statt.

1863 wurde der Leuchtturm eingeweiht. Die Versorgung des Leuchtturmwärters und seiner Familie musste über das Meer organisiert werden. Über den beschwerlichen Weg mit 272 oft rutschigen Stufen von der Felsbucht Moll de Patronet musste das Olivenöl für das Leuchtfeuer und der Proviant heraufgebracht werden.

Die heutige Straße nach Formentor wurde erst 1951 fertiggestellt. In den Sommermonaten der letzten Jahre (vor 2017) war die enge Straße sehr überlastet und es spielten sich oft chaotische Szenen ab. Man beschloss die Straße im Sommer für den Autoverkehr zu sperren. Eine Busverbindung ermöglicht nun den Besuch des Leuchtturm.
Oder Ihr fahrt morgens zum Sonnenaufgang an diesen dann magischen Ort und genießt in aller Ruhe die Natur und das Panorama. Allerdings geht die Sonne im Sommer schon um 6:30 Uhr auf. Aber Ihr wisst ja: „Der frühe Vogel fängt den Turm!“